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Forschung

Raumkonstruktionen

Subjektiv-konstruktivistische Ansätze im Geographieunterricht

Raum ist neben Zeit eine existenzielle Kategorie unseres Lebens und stellt den genuinen Forschungsgegenstand der Geographie dar. Jedoch ist der Begriff „Raum“ nicht nur im Alltagsverständnis mit anderer Bedeutung belegt als in der Geographie, auch für die Geographie ist zu konstatieren, dass Raum mehrdeutig ist, aus fachlicher Perspektive also weiter ausdifferenziert werden kann. Als fachliches Konzept (und zugleich Basiskonzept) dienen dazu die sog. Raumkonzepte der Geographie, die unterschiedliche Perspektiven (oder: Blicke) auf den Raum umschreiben.
Am Lehrstuhl für Didaktik der Geographie bildet die theoretische, empirische und konzeptionelle Auseinandersetzung mit Raum und unterschiedlichen Raumkonzepten einen Arbeits- und Forschungsschwerpunkt. Im Einzelnen wurden bzw. werden folgende Forschungsprojekte von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Lehrstuhls für Didaktik der Geographie durchgeführt:


Urbanes Räumen – Von subjektiven Raumvorstellungen Jugendlicher und deren Relevanz hinsichtlich einer Befähigung zu Raumbezogener Handlungskompetenz

Dr. Romy Hofmann
2011 – 2015

Kurzbeschreibung
Mit Raumbezogener Handlungskompetenz als übergeordnetem Ziel von Geographieunterricht ist die Fähigkeit gemeint, dass Schülerinnen und Schüler in der Lage sein sollen, ihr Lebensumfeld auf unterschiedlichen Maßstabsebenen zu verstehen sowie sich aktiv im Sinne eigenständiger Partizipation an dessen Gestaltung und Entwicklung zu beteiligen. Aus Gruppendiskussionen, die im Anschluss an eine Unterrichtsreihe mit Schülerinnen und Schülern einer 12. Jahrgangsstufe geführt wurden, konnten mittels dokumentarischer Methode unterschiedliche Schüler-Typen formuliert werden, die einen differenzierten Blick auf die Raumvorstellungen von Lernenden geben.

ausgewählte Publikationen

  • Hofmann, R. (2015): Wie sich Jugendliche ihr Bild von der Welt machen. Oder: Vom Perspektivenwechseln auf beiden Seiten des Klassenzimmers. Geographie aktuell & Schule 214(37): 33-38.
  • Hofmann, R.; Ulrich-Riedhammer, E.M. (2014): Die Konstruktion (inter-)kultureller Räume als moralisch-ethische Urteile. In: Schwarz, Ingrid & Gabriele Schrüfer (Hrsg.): Vielfältige Geographien. Entwicklungslinien für Globales Lernen, Interkulturelles Lernen und Wertediskurse. Münster & New York: 155-170.
  • Hofmann, R.; Glasze, G.; Rainer U. (2012): Stadträume als gesellschaftlich hergestellte Räume. Praxis Geographie 1: 4-6.

Die Rolle von Sprache und Bildern in der Konstruktion geographischer Weltbilder

Dr. Romy Hofmann
zusammen mit Martina Mehren (Uni Bonn), Prof. Dr. Rainer Mehren (JLU Gießen)
2012 – laufend

Kurzbeschreibung
Als traditionell medienintensives Fach greift die Geographie auf solche Mittler zurück, die zu einem tieferen Verständnis von Räumen beitragen können. Entsprechend werden auch im Geographieunterricht Medien eingesetzt, die anschaulich sind und der Erkenntnisgewinnung dienen. Neben der Karte als einem wesentlichen geographischen Medium kommen auch Bilder, Filme, Karikaturen, Tabellen, Texte usw. zum Einsatz. Im Zuge eines linguistic turn ist jedoch die besondere Rolle der Sprache als einem raumkonstitutiven Medium – zunächst geographiespezifisch – noch wenig in den Blick geraten. Auch im schulischen Unterricht kann ein Bewusstsein dafür, dass Sprache nicht nur ein neutrales Mittel zur Kommunikation darstellt, für die (Re-)Produktion von Bedeutungen besonders im Sprechen über Räume und andere Lebenssituationen beitragen. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, dass Medien stets nur selektive Bilder erzeugen bzw. Aufmerksamkeiten auf bestimmte Aspekte lenken können.

ausgewählte Publikationen

  • Hofmann, R. (2015): Mit eigenen Augen, aber anders sehen. Bildliche Zugänge zu urbanen Entwicklungen am Beispiel des Stadtstrandes Nürnberg. geographie heute 324: 36-40.
  • Hofmann, R.; Mehren, M.; Uphues R. (2012): SprachRäume – Ansätze der produktionsorientierten Literaturdidaktik als Impuls für den linguistic turn in der Geographie. GW-Unterricht 126: 38-51.
  • Hofmann, R.; Mehren, M.; Uphues R. (2012): Dat is Duisburg. Zur sprachlichen (De-)Konstruktion von Räumen. Praxis Geographie 1: 18-20.

Die geographische Perspektive im Sachunterricht der Grundschule

Dr. Romy Hofmann
2015 – laufend

Kurzbeschreibung
Die Überlegungen zu einem erweiterten Raumverständnis sowie der Befähigung zur Reflexion von Raumwahrnehmung und -konstruktion lassen sich nicht hinreichend weiterdenken, wenn die Bildungsphase der Grundschule unberücksichtigt bliebe. Auch für die Grundschule existieren Kompetenzbeschreibungen, die im Perspektivrahmen Sachunterricht der Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (GDSU) festgelegt wurden und die in der geographischen – neben den weiteren – Perspektive differenziert aufgeführt werden. Um diese greif- und für den Unterricht handhabbar zu machen, entstehen u.a. Aufgabenbeispiele für die geographische Perspektive.

ausgewählte Publikationen

  • Hofmann, R. (2016): Perspektiven wechseln! Kinder nehmen öffentliche und private Räume vielfältig wahr. In: Adamina, M.; Hemmer, M. & Schubert, J.C. (Hrsg.): Die geographische Perspektive konkret: Begleitband zum Perspektivrahmen Sachunterricht.

Einstellungen von Schülerinnen und Schülern zu den Raumkonzepten der Geographie

Prof. Dr. Jan C. Schubert
Julian Bette (Geographiedidaktik, WWU Münster)
2013 – 2016

Kurzbeschreibung
Die Arbeit mit Raumkonzepten im Geographieunterricht ist seit Jahren Gegenstand fachdidaktischer Diskurse. Zugleich sind die Raumkonzepte in den Nationalen Bildungsstandards sowie einigen Lehrplänen verankert und entsprechende Unterrichtsmaterialien entwickelt worden. Jedoch fehlten bislang empirische Erkenntnisse sowohl zur Einsatzhäufigkeit der Raumkonzepte im Geographieunterricht als auch zur Schüler_innenperspektive auf die Raumkonzepte, die als ein wesentlicher Faktor für das Gelingen von Lernprozessen angesehen werden kann.
Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen eines dreiteiligen Forschungsprojektes mit Mixed Methods-Zugang die Einstellungen von Schüler_innen zu den Raumkonzepten erfasst. In Teilstudie I wurden zunächst in einem explorativ angelegten Vorgehen die aus Schüler_innensicht relevanten Einstellungsfacetten ermittelt. Dazu wurde eine mehrperspektivische Raumanalyse in Form einer vereinfachten Adaption eines Schulbuchkapitels durch vorher instruierte Lehrer_innen durchgeführt. Anschließend wurden die Einstellungen von Schüler_innen (N = 64) mithilfe eines Fragebogens mit offenen Antwortformaten erfasst. Die Auswertung erfolgte durch induktive Kategorienbildung. Die daraus resultierenden Erkenntnisse zu Einstellungsfacetten der Schüler_innen bilden damit eine elementare Grundlage zur Konzeption des Messinstrumentes der Teilstudie II.
In Teilstudie II wurden die Einstellungen von Schüler_innen der Klassen 9, 12-Grundkurs und 12-Leistungskurs an Gymnasien in Nordrhein-Westfalen erhoben (N = 684). Dazu kam nach einem 2-Phasen-Pretesting zur Prüfung der testtheoretischen Brauchbarkeit ein itembasierter, standardisierter Fragebogen mit insgesamt 74 Items sowie 9 unabhängigen Variablen zum Einsatz. Bei der Auswertung wurden neben Verfahren der deskriptiven Statistik Varianz- und Regressionsanalysen verwendet. Die Ergebnisse zeigen eine geringe Einsatzhäufigkeit der Arbeit mit Raumkonzepten im Geographieunterricht. Die Einstellungen der Schüler_innen sind in der Summe als positiv zu kennzeichnen, wobei die klassischen Raumkonzepte (Containerraum und Raum als System von Lagebeziehungen) positiver bewertet werden als die neuen (Subjektiver Wahrnehmungsraum und Raum als Konstruktion). Als relevante Prädiktoren für die Einstellungen zu den Raumkonzepten stellten sich regressionsanalytisch das Interesse am Fach Geographie allgemein, das Interesse an Raumkonzepte allgemein sowie die eigenaktive außerschulische Beschäftigung mit geographischen Themen heraus. Bezüglich erster Konsequenzen lässt sich u. a. konstatieren, dass eine verstärkte Implementierung der Arbeit mit den Raumkonzepten durch entsprechende Unterstützungsangebote für Lehrer_innen gewährleistet werden sollte. In unterrichtspraktischer Hinsicht scheint eine explizite Beschäftigung mit den Raumkonzepten auch auf metatheoretischer Ebene sinnvoll.
In Teilstudie III wurden leitfadengestützte Interviews mit Schüler_innen mit dem Ziel geführt, Gründe für die Einstellungen bzw. die Bewertung der einzelnen Raumkonzepte zu erfahren. Bei der Auswahl der Probanden wurde sichergestellt, dass diese im Geographieunterricht die Raumkonzepte kennengelernt hatten. Im Interview wurden ihnen Ergebnisse der Teilstudie II verbunden mit der Bitte vorgelegt, diese aus Ihrer Perspektive zu kommentieren. Derzeit erfolgen die Auswertungen, bei denen Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse zum Einsatz kommen.

ausgewählte Publikationen

  • Bette, J., Schubert, J.C. (2015): Einstellungen von Schülerinnen und Schülern zu Raumkonzepten der Geographie. Ergebnisse einer empirischen Studie zur Erfassung der Lernerperspektive. In: Zeitschrift für Geographiedidaktik | Journal of Geography Education. Heft 1, S.29-58. | peer-reviewed
  • Bette, J., Schubert, J.C. (2014): Einstellungen von Schülerinnen und Schülern zu geographischen Raumkonzepten. Ausgewählte Ergebnisse einer empirischen Studie. In: Geographie aktuell und Schule 36, Heft 209, S. 15-20.

 

 

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