Digitalisierung – Geographie – Unterricht

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Digitalisierung ist „in aller Munde“. Sie ist nicht nur ein Mode-Thema oder Gespinst technikaffiner Menschen, sondern eine tatsächliche Notwendigkeit und erwünschte Voraussetzung insbesondere im Bereich der Bildung geworden. Gekennzeichnet von rasanten Entwicklungen steigen die Möglichkeiten, wie sich Menschen ihre Umwelt mittels digitaler Werkzeuge aneignen, was sie wissen und erfahren können.

Im Rahmen des Projekts „DigiLLab“ an der FAU Erlangen-Nürnberg findet im Sommersemester 2021 ein Seminar zu den Verknüpfungen zwischen Digitalisierung, Geographie und Bildung statt.

 

Digitalisierung & Geographie

Auch in der Geographie werden digitale Medien sehr vielfältig genutzt. Diese Nutzung erstreckt sich von der (Ver-)Messung klimarelevanter Erscheinungen über die Auswertung digitaler Daten aus sozialen Netzwerken (z.B. facebook, twitter, Instagram) zur Vorhersage von Krankheiten und der Aufklärung sozialräumlicher Phänomene (u.a. Boy & Uitermark 2016) bis zur Überwachung alltäglichen Handelns in Räumen. Im sogenannten Geoweb versammeln sich jene Praktiken, über die der Ortsbezug eines Gerätes genutzt wird, um zusätzliche Informationen zu generieren. Der Standort ist zu einem wichtigen Parameter nicht nur der Werbeindustrie (Stichwort personalisierte Werbung) geworden. Daraus resultieren Fragen nach Privatsphäre und Datenschutz, gestiegener Macht von kommerziellen Unternehmen und der Herstellung von (Un-)Gleichheiten bspw. beim Beitragen auf online Plattformen. Digitalisierung ist als ein sehr weites Feld und damit gesellschaftliches Phänomen anzusehen, das über die reine Nutzung von digitalen Werkzeugen hinausgeht.

 

Und in der Geographiedidaktik?

In angekündigtem Seminar werden die Grundlagen der Digitalisierung behandelt, um die vielfältigen sozialen Verflechtungen zu erkennen und die Möglichkeiten digitaler (Geo-)Medien im Unterricht umfassend zu verstehen und reflektiert einzusetzen. Es geht weniger darum, allein „Mehrwerte“ des Einsatzes digitaler Medien im Geographieunterricht darzustellen (die Frage ist, ob das überhaupt die richtige Frage ist; vgl. Neudecker & Rohmann 2020) als vielmehr die Werte des Digitalen selbst zu ergründen. Anhand von geographischer / naturwissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung werden Potenziale und Grenzen der Digitalisierung erörtert. Diese münden in der fachlichen Darstellung digitaler Anwendungen am Beispiel digitaler Kartographie, um jeweils für den Geographieunterricht aufgearbeitet zu werden.

 

Lehrer*innenbildung und Digitalisierung

Lehramtsstudierende gelten als Multiplikator*innen im Einsatz digitaler Medien. Im Seminar lernen sie mit und über digitale Medien auf einer fachlichen Ebene. Die aus der Entwicklung der Digitalisierung resultierenden neuen Anforderungen werden aufgezeigt, um angehende Geographielehrer*innen auf diese vorzubereiten. Damit verbunden ist „eine fachspezifische Reflexions- und Kritikfähigkeit über digitale Medien“ (GFD 2018). Das bedeutet, dass sich Studierende (und später Schüler*innen) immer wieder selbst und ihren eigenen Gebrauch digitaler Medien hinterfragen sollen, um die Auswirkungen auf ihr Handeln und damit ihre Sicht auf die Welt im Sinne einer Raumbezogenen Handlungskompetenz (DGfG 2020, 5) zu bestimmen. Diese Kompetenzen erfordern einen Blick über den Tellerrand und werden sinnvoll durch medienethische Aspekte (u.a. „Digitale Ethik“) ergänzt.

 

 

Literatur:

Boy, J.D. & Uitermark, J. (2016): How to Study the City on Instagram. PLoS ONE 11(6), S. 1-16.

DGfG (2020): Bildungsstandards im Fach Geographie für den Mittleren Schulabschluss. Bonn.

GFD (2018): Fachliche Bildung in der digitalen Welt. Positionspapier der Gesellschaft für Fachdidaktik. Münster.

Neudecker, A. & Rohmann, N. (2020): Von Mehrwert zu mehr Wert. Zeitschrift für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften 1, S. 152-155.